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3.-5. Juni Kashgar   Leave a comment

Vor unserem Fenster ist eine Grundschule und dort ist jeden Morgen um 9.00 Beschallung mit Liedern und Ansagen auf dem Schulhof. Das ist von oben schön anzusehen weil der Schulhof selbst schon so bunt anzusehen ist mit seinen ganzen Fahnen. Es ist allerdings auch ausgesprochen laut. An einem Tag werden Kreistänze gemacht

und am Freitag ist eine Art Fest oder Darbietungsprogramm. Alle Schulklassen kommen mit ihren Stühlen in der Farbe der Klasse auf den Hof und sitzen um eine Bühne drum herum.

Wir haben uns nicht alles angeschaut, diesmal war es schon recht laut. Aber praktischerweise ist da auch Frühstückszeit.

Da wir das Essen nicht vertragen, ist das Frühstück reduziert auf die sichere Seite der Nahrungsmittel: Toast, hart gekochte Eier und Fertigkuchen. Dennoch bleibt den ganzen Tag die Frage, was können wir essen. Rieke scheint die einzige zu sein, die bisher keine Probleme hat.

Die Visumsverlängerung hält uns in Trab. Es geht in einem dauernden Hin und Her. Der Tourismus-Alip im Hotel hat erst einen Polizisten, der helfen kann. Der kommt am Nachmittag. Dann doch am nächsten Morgen, dann doch am nächsten Nachmittag. Also ein Tag vorbei. Der kann aber nichts machen. Dann sollen wir zur Polizei gehen. Dann doch wieder auf den Polizisten warten. Dann stehen plötzlich 60 Tage Verlängerung im Raum. Bestimmt am nächsten Morgen (wir haben inzwischen Donnerstag Abend). Freitag morgen ist davon dann keine Rede mehr. Bis das klar ist, ist Mittagspause. Wir sollen danach zur Polizei. Da spricht jemand Englisch. Den Jemand kennen wir zwar schon, aber mit dem wurde extra nochmal telefoniert. Freitag Nachmittag: wir stehen vor der Polizei. Sie ist geschlossen. Sie öffnet auch erst Dienstag wieder. Es sind Feiertage.

Damit ist für uns die Visumssache abgeschlossen und wir beschließen schweren Herzens, andere Transportmittel zu suchen. Diese sind Flug, Zug, Bus. Flug fällt aus weil das Gepäck horrend teuer ist. Bus bringt auch nichts. Also bleibt der Zug. Spontan fahren wir zu viert zum Bahnhof. Dort ist zwar alles schon zu (aber nur wegen Feierabend), aber wir kriegen im Stile der Montagsmaler heraus, dass es einen Gepäckwagen gibt und zwar in beiden Zügen und in diesen die Räder können. Also fahren wir zu zwei am Samstag wieder hin. Das Ticket ist bis Shanghai zu kriegen. Ohne Probleme. In der Gepäckaufgabe ist es sehr heiter. Nach vielem Hin und Her und Pantomime und dann doch Englisch am Telefon bekommt Gunda heraus, dass die Räder dort zwei Stunden vor Abfahrt abgegeben werden können und auch das Gepäck und es scheint alles kein Problem zu sein. Nachdem wir zuvor umsonst bei der Post waren, um vier Tüten mit Wintersachen nach Deutschland zu schicken, müssen nun alle Taschen neu gepackt werden so dass wir zwei Zugtaschen haben. Ein völlig neues Reisekonzept. Nach zwei Stunden packen hat Gunda aber auch das geschafft.

Nun fahren wir durch China mit dem Zug. So eine Pleite. Aber China war von Anfang an das Land der Unwägbarkeiten und wir sind nur froh, dass wir uns mit Alex nun woanders treffen und nicht in China. Das hatten wir dann ja irgendwann anders entschieden. Von hier bis Shanghai ist eine Strecke, die der bis Ankara entspricht und damit der Hälfte des bisher gefahrenen Weges. Wolfgang ist völlig niedergeschmettert und sieht die Reise als gescheitert an. Gunda ist ein wenig pragmatischer, aber auch enttäuscht.

Nun heißt es, sich auf Südkorea und Japan einstellen, was ja eh Stationen auf dem Weg gewesen wären, eben nur viel kürzer. So können wir nun zwar nicht quer durch China fahren, aber dafür durch Südkorea und die Südinsel Japans erkundigen. Es gibt frustrierendere Lebenssituationen!

Wir raffen uns auf, um wenistens die größte Moschee Chinas anzuschauen. Sie hat einen wunderschönen Park und große Beträumlichkeiten.

Nach dem Gebet wird auch der Innenraum geöffnet. Eine chinesische Reisegruppe geht ohne Kopftuch hinein und wird nicht gehindert. Andere Reisende haben ein Kopftuch auf. Der Garten ist schön und die Geschichte der Moschee lang.

Es ist immer noch heiß und voll am Samstagabend. Ein wenig schlendern wir noch die Straßen bevor wir zurückgehen.

Seit dem 1. Juni scheint es in Kashgar so etwas wie eine neue Touuristen-Saison zu geben. Nicht nur, dass es viele gibt, sondern auch dass die Preise um das doppelte gestiegen sind. Wir staunen immer wieder.

Wir beschließen, die Räder schon am Sonntag aufzugeben. Der Weg zum Bahnhof geht am Viehmarkt vorbei und die Straßen sind voll. Wir durchfahren Kashgar mit seinen zwei Gesichtern: den moddernen Gebäuden und den Lehmbauten, den Elektorollern, riesen Autos und Eselskarren. Die Gepäckabteilung ist auch diesmal wieder sehr heiter. Wir kaufen zwei karrierte Taschen, die internationalen „Polen-Koffer“ und probieren nun mit den Gepäckmännnern unsere Sachen in extra Packsäcke der Bahn zu packen. Nach einigem Hin und Her geht es aber alles ganz gut und es sind vier große Packsäcke und unsere Räder. Alles wird bis Shanghai durchgecheckt, so dass wir in Urumqui einfach nur umsteigen können. Gunda montiert den Sattel ab, da die Sattelstütze so viel kostet wie ein Ticket und bei der letzten Bahnfahrt kaputt gemacht wurde. Das erfreut die Herren nicht, aber sie akzeptieren es notgedrungen.

Der Bus ist rappelvoll auf dem Weg zur Stadt und der Himmel bewölkt, wir sind gespannt, wann der Sandsturm kommt und freuen uns, Rieke und Torsten, der wohl aus seiner Durchfallerkrankung wieder auferstanden ist, heute abend noch zu sehen. Nun trennen sich unsere Wege. Die beiden fahren weiter gen Süden mit dem Ziel, in Thailand drei Monate zu bleiben.

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Veröffentlicht 5. Juni 2011 von silkroadprojectblogspot in 307, 308, 309, China, Uncategorized, Xingijang