Archiv für März 2012

Krieg, Gastfreundschaft und schlechtes Wetter   Leave a comment

Krieg, Gastfreundschaft und schlechtes Wetter

Es ziehen sich drei Themen durch unsere Reise: Krieg, Gastfreundschaft und schlechtes Wetter.

 

Wir fahren durch das ehemalige Jugoslawien,

sprechen mit Überlebenden der Belagerung von Sarajewo,

 fahren an Minenschildern vorbei, an Ruinen und Waisenheimen.

Immer wieder sehen wir Zelte des UNHCR in der autonomen Region Kurdistan im Irak

ebenso wie viele Schilder der Wiederaufbauprojekte der EU und der Hilfswerke in Tadjikistan.

Wir kommen aus dieser Arbeit und kennen das Geschäft. Übernachtungen zu finden ist nicht immer leicht, es gibt Minen und Militär, Überschwemmungen und Gegenden, in denen wenig Sicherheit herrscht.

 

 Inmitten der kritischsten Momente:

Tee und Brot,

Tee und Kekse,

Tee und Bonbons,

Tee und Suppe.

Übernachtung.

Hilfe.

 Immer und immer wieder.

 

Die Gespräche drehen sich dabei um Zukunft, Versöhnung, Politik, eben um Krieg und der Sehnsucht nach einer guten Zukunft.

 


Krieg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Krieg zerstört die Seele

 

 

Krieg verschließt Grenzen

 

 

Krieg gefährdet über Generationen

 

 

 

 


Krieg zerstört die Seele

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für uns Radreisende ist Krieg in erster Linie zu spüren an den Auswirkungen auf die Seele der Menschen. Und die erleben wir in dem, WIE insbesondere Kinder und Jugendliche mit uns umgehen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass wir immer wieder von Kindern und Jugendlichen wie Freiwild gejagt und mit Steinen beworfen werden, in die Speichen getreten wird, im Kosovo zum Beispiel und in der östlichen Türkei. Der Fremde ist entweder bewaffneter Soldat, von dem man sich fernhält, oder eben schutzlos und dann Freiwild.

 

Bei Erwachsenen überwiegt dann doch meist reflektiertes oder anerzogene Verhalten von Gastfreundschaft, meist werden wir von Erwachsenen geschützt und „rausgehauen“ in solchen Siuationen. In Cizre in der Osttürkei. funktioniert dann auch das nicht mehr. Erst der Hotelbesitzer schützt uns als zahlende Gäste und verriegelt die Tür.

 

Von Jugendlichen angemacht wurden wir auch in der Republika Srpska, kurz nach dem Grenzübertritt aus Serbien.

 

Schließlich hatten wir auch in Japan das Gefühl, dass Atombombenabwurf und Kapitulation die japanische Seele zerstört hat. JapanerInnen wirken wie MusterschülerInnen US-amerikanischen Auto-/Atomkraft-/Konsumverhaltens und die eigentlich erwartete japanische gemittete und geerdete Kultur fanden wir kaum.

 

Spürbar – und sichtbar – waren die vergangenen Kriege in Kroatien und Serbien durch verlassene und mit Parolen beschmierte Häuser, in Bosnien und Herzegowina durch zerstörte Häuser und Minenfelder, im Kosovo  durch abgebrannte Klöster und Stadtviertel, die nur unter strengem militärischem Schutz wieder aufgebaut werden konnten,  schließlich die griechisch-türkische Grenze mit einem martialischen militärischen Wachritual auf beiden Seiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Osttürkei schließlich glichen Polizeistationen militärischen Stützpunkten, weiter im Osten gar gab es nur noch Kasernen mit Sandsäcken und Panzern im Tarnanstrich, polizeiliche Infrastruktur fehlte ganz.

Im Nordirak in kleinen Bergdörfern frische Spuren von Bombardierungen und immer wieder rote Fahnen, die vor Minen warnten. Militärische und polizeiliche Straßenkontrollen, dann der allgegenwärtige Geheimdienst, der uns so etwas wie ein Gefühl von Sicherheit vermittelte. Und ein Trinkwasserwagen aus NVA-Beständen.

 

Im Iran schließlich die ständige Alarmbereitschaft der Luftabwehr in den Wüstenstellungen und die hochgesicherten geheimen Anlagen.

 

Auch im Iran immer wieder die Martyrerfriedhöfe für die Kindersoldaten, die als Minenräumer im Irak-Iran-Krieg eingesetzt wurden.

 

Dagegen hatten in Turkmenistan und Usbekistan ehemalige Sowjet-Soldaten gute Erinnerungen an ihre Stationierungsorte in Potsdam, Magdeburg, Stendal etc..

 

Ein Krieg ganz anderer Art war in Xingjiang zu sehen: Der Abriß der uigurischen Altstadt von Kashgar, um Platz für die chinesische Mittelschicht  und Konsumtempel zu machen


Krieg verschließt Grenzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweimal mussten wir die geplante Route tatsächlich ändern:

Nach dem Kaukasuskrieg 2008 in Georgien war es immer noch unmöglich, die Grenzen im Kaukasus zu passieren, daher mußten wir die Route südlich des Schwarzen Meeres nehmen.

Und die Atomkatastrophe in Japan zwang uns zur Vorsicht, nicht näher als 80 km an den Havarie-Reaktor heranzukommen.

 

Ansonsten waren es Unruhen und Konflikte, die unsere Route in Frage stellten:

Die „grüne Welle“ und die Präsidentschaftswahlen im Iran im Juni und die Aschura-Proteste Ende 2009.

Der Uigurenaufstand im Juli 2009 in China.

Die Pogrome im Juni 2010 in Kirgisien.

Tatsächlich geschlossen war wegen politischer Spannungen dann die Grenze zwischen Usbekistan und Tadschikistan, was zu einem weiten Umweg in den Süden zwang.

 

Heute wären sowohl die Situation in den Kurdengebieten der Türkei, als auch die Kriegsdrohungen an den Iran so besorgniserregend, daß wir die Strecke wohl nicht fahren wollten.

 

 


Krieg gefährdet über Generationen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch für uns waren Minen immer wieder eine Bedrohung. Besonders im Irak, aber auch in Bosnien und Herzegowina und in Tadschikistan. Dort waren im Pandj-Tal zwischen Afghanistan und Tadschikistan nicht nur jede Menge Panzerwracks aus Sowjetzeiten, sondern dort gab es auch die eindringlichsten Warnschilder vor Landminen. Und immer wieder Minenräumtrupps, die sich Zentimeter für Zentimeter die Almwiesen zwischen den Murmeltieren hocharbeiteten. Parkbuchten am Strassenrand waren dann mit weißen Steinen umrandet, wenn sie sicher waren.

 

 

 

 

 

 

 

 


Gastfreundschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Favoriten: Albanien und Kurdistan

 

 

Откуда? Sich den Fremden unterwerfen

 

 

Japan: Unbehelligt mitten in der Stadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Favoriten: Albanien und Kurdistan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den albanischen Bergen gab es wohl keine Pause am Straßenrand, wo nicht jedes Auto angehalten hätte, mit der Frage, ob wir was brauchen. War es nach drei Uhr am Nachmittag, kam immer die Frage, wo wir denn schlafen. Wir hatten das Gefühl, hier in den albanischen Bergen kann niemand verloren gehen.

 

In Kurdistan war es kaum möglich, etwas einzukaufen, ohne dass der ganze Einkauf geschenkt worden wäre. Oder dem Einkauf die Einladung zum Essen in die Familie folgte. Wenn wir an einer Tankstelle um die Mittagszeit um Trinkwasser fragten, wurden wir regelmäßig bekocht, um mit dem Personal zu essen. Und aus der Bäckerei wurden speziell Süßigkeiten für uns gekauft.

 

Schon in der Türkei gab es kein Wasserholen ohne eine Einladung zum Tee. Und von Weitem war die Handbewegung des Umrührens die Geste der Einladung zum Tee. Bei Kälte wurde dann der Ofen extra für uns geheizt.

 

In Zentralasien war es immer die Einladung zu Tee und Brot. Oder ein Auto hielt uns an und die Insassen schenkten uns Brot. Im Iran sogar einmal einen frisch gegrillten Kebab-Spieß – aus dem Auto heraus! Und in Berg-Badachschan sogar einmal einen frisch gefangenen Fisch – in 4.000 m Höhe!

 

Generell wussten die Menschen in den Bergen und in der Wüste am besten, was wir als Radfahrer gerade brauchten. Aber auch in der Stadt gab es immer wieder Menschen, die uns Obst oder Schokoriegel schenkten, sich viel Zeit nahmen, um uns zur Post oder zum Hotel zu begleiten.

 

Fragten wir von der Osttürkei bis Zentralasien um einen Zeltplatz an einem Bauernhof, wurden wir immer zur Übernachtung ins Haus gebeten. Natürlich mit der landesüblichen Bewirtung am Abend und auch morgens. Einmal holte uns in der Osttürkei ein Bauer mit Traktor schnell in seinen Hof als wir von einer Horde steinewerfender Kinder verfolgt wurden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweimal wurden wir von Radfahrenden eingeladen:

 

Bei einer Mittagspause in einem Café in der Türkei holte man extra den Lehrer aus der Schule: Er ist auch als Reisradler im Iran gewesen und lädt uns ein, bei seiner Schwester in Ankara zu übernachten. Daraus wird später ein wunderbarer einwöchiger Aufenthalt in deren Wohnung!

 

Und als wir bei Ankunft in Teheran nach einem Hotel fragen, bietet uns eine Frau Kuchen an und in ihrem Haus zu übernachten. Es ist eine Radfahrerfamilien; auch daraus wird eine wunderbare Begegnung.

 

 

 

 

 

 

 

 


Откуда?und Homestay –  Sich den Fremden unterwerfen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gegenteil von Gastfreundschaft beschreiben für uns zwei Begriffe: Откуда?und Homestay.

 

Was im Iran anfing, steigerte sich dann in Zentralasien ins Unerträgliche: Aus jedem vorbeifahrenden Auto wurde gewunken und erst freundlich, dann fordernd und sogar aggressiv Откуда?  Woher? gerufen. Oft wurden wir genötigt, anzuhalten, um mit den Autoinsassen ein gestelltes Foto machen zu lassen. Am Anfang waren wir noch froh um solche Kontakte, aber mit der Zeit lernten wir wohl zu unterscheiden zwischen den Menschen, die uns wirklich Hilfe oder für Radfahrende „brauchbare“ Dinge anboten, und denen, die uns missbrauchten, um eigene Neugierde zu befiedigen. Leider verleideten uns die Откудаs das Fahren im Iran und in Zentralasien so sehr, dass wir uns oft zurücksehnten nach der Gastfreundschft in Kurdistan oder den türkischen Einladungen zum Tee. Den gab´s an den Tankstellen ja auch nicht mehr. Nicht, dass es diese wahre Gastfreundschaft nicht mehr gab, aber sie war rar und im Kontrast zur sonstigen Distanzlosigkeit eine tiefe Begegnung.

 

In Zentralasien kam dann der Alkohol hinzu: Die Distanzlosigkeit wurde handgreiflich. So war jede Durchfahrt durch ein besiedeltes Gebiet immer auch gefährlich.

 

Und das andere Horrorwort: Homestay. In den Sommermonaten wimmelt es zwischen Duschanbe und Murgab nur so von eingeflogenen Mountainbikern. Wir waren vor dieser Saison da, aber die Mentalität der Einheimischen kannte keine Gäste, nur noch Kunden. Wurden wir über viele Monate wirklich eingeladen, waren wir jetzt Objekte von Werbeticks, um in den überteuerten Homestays zu übernachten. Es gab auch gute mit einem fairen Preis, aber es überwog doch der Eindruck, dass die Abzocke immer lauert. Und es schien gar maffiöse Strukturen zu geben, die Touristen von Homestay zu Homestay weiterzureichen. Vielleicht wäre es uns gar nicht aufgefallen, wären wir auch für zwei Wochen hier einfach eingeflogen. Aber wir hatten ja tausende von Kilometern den Vergleich.


Japan: Unbehelligt mitten in der Stadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am ersten Fahrradtag in Japan wurden wir in einem Convenient-Store von einem Handwerker erst zum Getränk, dann zur Bento-Box eingeladen. Wirklich ein schöner Einstieg in dem Land, wo uns Autofahrende so nerven sollten. Da sich das gesamte Leben im klimatisierten Haus oder klimatisierten Auto abspielt, gibt es vor den Läden einen Parkplatz, aber keine Bänke. Oft aßen wir unser Mittagessen auf dem Boden im Schatten der Hauswand sitzend, was einparkende Kunden aber nicht daran hinderte, mit dem Auspuff gegen uns einzuparken. Da das Auto ja kühl bleiben soll, läuft der Motor die ganze Zeit: Während des Einkaufs und auch während dem Mttagessen oder gar Mittagsschlaf im Auto.

 

Doch in Japan gab es eine institutionalisiete Form von Gastfreundschaft: Die Convenient-Stores haben 24 Stunden geöffnet und bieten kostenlos Toiletten und Trinkwasser, ebenso gibt es überall gepflegte öffentliche Toiletten mit Trinkwasser und Toilettenpapier. So ist es durchaus möglich, als Radfahrender draußen zu leben.

 

Dazu gehört, dass es die japanische Höflichkeit gebietet, nicht zu nahe zu kommen. Wir konnten auf einem Spielplatz oder in einer Parkanlage durchaus zelten, wenn wir keinen anderen Platz fanden. Passanten bemerkten uns zwar, waren aber nie aufdringlich oder gefährlich.

 

 

 

 

 

 

 


Schlechtes Wetter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Drei Monate Dauerregen und drei Taifune

 

 

Sandsturm und Dauerfrost in der Wüste

 

 

Schneesturm auf über 4.000 m Höhe

 

 


Drei Monate Dauerregen und drei Taifune

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Bonn bis Adana am Mittelmeer hat es praktisch durchgeregnet. Die Ausrüstung hielt; Zelt, Taschen und Kleidung. Den Zeltplatz suchten wir in erster Linie danach aus, dass er überflutungssicher schien. Das eine Mal, dass wir überflutet wurden, waren wir dann auch im Haus, in einer Moschee. Zweimal aber war der Boden nachts derart aufgeweicht, dass wir am nächsten Tag Räder und Taschen durch den Matsch tragen mussten, um wieder auf die Straße zu kommen. Regen im Sommer, aber auch Regen um den Gefierpunkt im Iran. Einer der wenigen Tage, wo wir mittags abgebrochen haben und ein Hotel gesucht.

Und trockene Zeltplätze: In einer Werkstatthalle nach einem Wolkenbruch auf der anatolischen Hochebene, in der Garage bei den Sanis im Iran nach einem Wintereinbruch, und immer wieder unter irgendwelchen Dächern in Japan.

 

Wir gewöhnten uns daran, dass es auch bei Regen geht, aber alles braucht eben länger. Zeltauf- und Abbau, Reparaturen etc. etc.

 

Und das Warten auf den Taifun! In Japan sind Taifune das Ereignis im Fernsehen, der Standort wird alle zehn Minuten gezeigt und immer wieder berichtet. Da sich solche Taifune langsam bewegen, hat man Zeit, sich vorzubereiten. Drei Taifune sind über uns weggegangen, bei einem waren wir im Zelt, bei zweien in der Jugendherberge bzw. im Hotel. Einmal haben wir eine ganze Woche gewartet, bis er über uns hinweg gezogen war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sandsturm und Dauerfrost in der Wüste

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach soviel Regen waren wir froh, im Iran in der Wüste zu sein. Auch wenn Wolken über uns hinwegzogen und in den nahen Bergen abregneten oder es schneite, in der Wüste war es doch meist trocken.

 

Einmal kamen wir in einen Sandsturm, der uns immer wieder seitlich von der Straße wehte und –noch gefährlicher – dessen Sog uns in den Windschatten jedes überholenden LKW hineinriß. Dafür wurden wir im selben Moment von unserer ersten Kamelherde belohnt…

 

Wir waren im Winter in der Wüste. Nachts Temperaturen um minus 15 °; der schlimmste Tag war, als es nachts schneite, alles zusammenfror und es auch tags darauf bedeckt blieb und ohne Sonne es unter Null Grad blieb. Eingefrorene Zeltschnüre, Fahrradschlösser und Schaltungen, taube Finger und Zehen. Daraus lernten wir, zukünftig unsere Fahrräder mit einer Plane zu bedecken, damit sie nicht vom Schnee naß werden und alles zusammenfriert.

 

In klaren, trockenen Frostnächten in der Wüste wurden wir aber von einem unvergleichlichen Sternenhimmel belohnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Schneesturm auf über 4.000 m Höhe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf die Höhe hatten wir uns gut vorbereitet: Wir hatten uns über die Gefahren der Höhenkrankheit informiert und einen langsamen Anstieg über Wochen gewählt. Im Pamir hatten wir den Vorteil, dass es sich um eine Hochwüste handelt, also Wolken nicht abregnen, sondern über die Hochebene hinwegjagen.

 

Das Fahren in dieser Höhe bedeutete bei Steigungen schieben, manchmal zu zweit erst das eine Rad, dann das andere. Ab 4.500 m dann nach drei Schritten schieben einmal Pause zum Atmen. Aber wir haben es geschafft.

 

Erst als wir die Pamir-Hochebene nach Norden verließen, wurden wir vom Steigungsregen, in dieser Höhe natürlich Schnee, erfasst. Nur wenig unter null Grad durchnässte der Pappschnee schnell unsere Handschuhe trotz Überhandschuhen und die Finger und Hände waren gefühllos, aber schmerzten. Wir zwangen uns gegenseitig, die Hände durch an die Brust-Schlagen warm zu kriegen, fanden unsere Rettung bald in einer alten Straßenmeisterei, wo wir geschützt in einer Gerätehalle unser Zelt aufbauten. Ohne dieses Dach wäre es heute wohl schlecht gewesen…

 

 

 

 

 

 

 

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